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Ausbildung zum Trauerredner

16. Juni 2015

Trauerredner sind aus dem Bestattungwesen nicht mehr wegzudenken. Es ist Zeit, über diesen Berufsstand intensiver zu reflektieren und die Entwicklungen der letzten Jahre zu betrachten.

 

Ein exotischer Beruf?

Als mich in der Anfangszeit als freie Rednerin Menschen fragten, was ich beruflich mache und ich „Trauerrednerin“ sagte, spürte ich an den Reaktionen, dass das wohl reichlich exotisch wirkte. Was, so etwas gibt es? So eine Art Pfarrersersatz?

Das war kurz vor der Jahrtausendwende. Inzwischen hat sich das Bild gewandelt, die meisten Menschen haben bei irgendeiner Trauerfeier schon einmal einen freien Redner, eine freie Rednerin erlebt. Die Tätigkeit hat sich aus dem Image des Sonderlings heraus entwickelt zu einer Tätigkeit, die im gesamten Bestattungsgeschehen als eigenständiger Beruf wahrgenommen wird. Die Leute, die so vor dreißig oder zwanzig Jahren in diesen Beruf gegangen sind, hatten in der Regel einen theologischen Hintergrund. Sie konnten, durften, wollten nicht mehr in der Kirche arbeiten. Zumindest war das im Westen so. Im Osten dagegen gab es schon länger eine Tradition weltlicher Begräbnisfeiern. In der damaligen DDR wurde der Kirchenaustritt propagiert, erste Arbeitshilfen für sozialistische und weltliche Bestattungen wurden veröffentlicht und erste Organisationsstrukturen für weltliche Grabredner entstanden.

Eine Ausbildung für diesen Beruf gab es nicht. Man klaubte zusammen, was die Vorbildung hergab (das ist bei den Theologinnen und Theologen eine ganze Menge), belegte bei irgendwelchen Anbietern Seminare, um die fehlenden Fertigkeiten zu erlangen. Dann ließ man sich Visitenkarten drucken, mit denen man die Runde bei den örtlichen Bestattungshäusern drehte. Der Rest entwickelte sich im Tun, mit jeder Trauerrede lernte man etwas dazu.

 

Ausbildungsangebote sprießen wie die Pilze aus dem Boden

Lange gab es nur zwei, drei Leute die in relativ geringem Umfang ein Art Ausbildung anboten. Das hat sich in den letzten vier/fünf Jahren rasant verändert. Der Ausbildungsmarkt ist recht unübersichtlich. Die Angebote reichen von einem Wochenende bis zu zwei Jahren mit mehreren Intensivwochen, zusätzlichen Wochenenden inklusive Supervision. Entsprechend unterschiedlich sind die Preise. Was benötigen Menschen, die sich für den Beruf interessieren wirklich? Sicher nicht in erster Line eine Teilnahmebescheinigung in Form eines Zertifikats, dem keine umfassend definierten Qualitätsstandards zugrundeliegen.

Ich selbst habe in den vergangenen Jahren ein Coaching für Berufsinteressierte angeboten. In gut der Hälfte der Fälle war das Ergebnis, dass die Ratsuchenden sich dagegen entschieden haben, diesen Berufswunsch weiter zu verfolgen, nachdem sie ihre Vorstellungen mit den Realitäten in Bezug auf den Markt, die Verdienstmöglichkeiten und die persönlichen Voraussetzungen abgeglichen haben. Was benötigen Menschen, die sich für den Beruf interessieren? Zunächst einmal Ehrlichkeit. Dazu gehört auch die Ehrlichkeit über die Realität des Marktes.

 

Der Markt für Trauerredner

  1. Wahrheit: Wir können keinen zusätzlichen Bedarf schaffen. Die Sterbezahlen stehen fest.
  2. Wahrheit: Inzwischen gibt es in den meisten Regionen Deutschlands wirklich gute, etablierte Rednerinnen und Redner. Der Markteintritt wird zunehmend schwieriger.
  3. Wahrheit: Der Marktzugang erfolgt zu 95 % über die Bestattungshäuser. Diese Abhängigkeit lässt sich nicht schönreden. Die Zusammenarbeit macht erst wirklich Spaß, wenn dem Bestatter bewusst ist, dass der Redner/ die Rednerin für sein Bestattungshaus wirbt. Dieser Werbeeffekt tritt nur ein, wenn die Menschen von der Trauerfeier berührt sind, sich verstanden und gut begleitet fühlen.
  4. Wahrheit: Eine goldene Nase kann man sich in dem Beruf nicht verdienen. Es gibt Regionen, in denen das örtliche Preisniveau bei 150 € liegt. Wer hier gute Arbeit leisten will und die erforderlichen 6 bis 10 Stunden investiert, landet brutto bei einem Stundenlohn von 25 € bis 15 €, wohlgemerkt vor Abzug aller Kosten. Wer zu diesem Preis arbeitet, kann nur einigermaßen über die Runden kommen, wer bereits eine Rente bezieht, einen gutverdienenden Partner hat, wem die Befriedigung einer sinnvollen und erfüllenden Tätigkeit ausreicht – oder es wirkt sich massiv auf die Qualität der Begleitungen und der Reden aus. Masse statt Klasse. Selbst 400 € für eine Trauerrede sind auf den Stundensatz umgerechnet nicht sonderlich viel.

 

Es wird Zeit, diese Punkte einmal öffentlich zu diskutieren.

Ich finde es gut, wenn Menschen, die sich für den Beruf interessieren auf Ausbildungsangebote stoßen. Die Nachfrage ist da und zeigt, dass die Berufsinteressenten erkennen, dass es eben nicht reicht, sich eine Visitenkarte drucken zu lassen und loszulegen. In meinen Coachings zur Berufsfindung wurde ich immer wieder gefragt, welche Ausbildung ich denn empfehlen könne. Ich habe niemanden empfohlen, sondern mit den Leuten Kriterien entwickelt, auf die hin sie die vorhandenen Angebote für sich prüfen können.

Vielleicht wird es eine Entwicklung geben, wie im Bereich der Ausbildung für Trauerbegleiter. Dort haben sich Fortbildungsanbieter zum Bundesverband Trauerbegleitung – BVT e.V. zusammengeschlossen und gemeinsame Qualitätsstandards etabliert, die allen Interessierten eine Orientierung geben. Für den Markt der Ausbildung zum Trauerredner sehe ich hier noch einen langen Weg vor uns.

Eine Frucht meiner Reflexionen ist, dass ich ab August eine eigene Ausbildung zur Trauerrednerin/ zum Trauerredner anbieten werde. In der Hoffnung, dass Menschen, denen man die Wahrheiten des Marktes nicht verschweigt, einen Weg in diesen, wie ich finde sehr erfüllenden Beruf hinein finden können. Sie wissen dann, was auf sie zukommt. Gemeinsam können wir daran arbeiten, dass die Wertigkeit des Berufes in der Öffentlichkeit und beim vermittelnden Bestatter noch mehr wahrgenommen wird.

 

Mein eigenes Angebot

Wer sich für mein Ausbildungsangebot interessiert, findet alle Informationen auf meiner Webseite www.ausbildung-trauerredner.de

Über die Autorin

Über die Autorin

Birgit Aurelia Janetzky bietet Fortbildungen für Berufsgruppen im Bereich Sterben, Bestattung und Trauer. Sie hält Vorträge und schreibt Artikel für verschiedene Fachzeitschriften. Als Social-Media-Managerin und Expertin für die Themen digitaler Nachlass und Trauer im Internet berät sie Unternehmen und Organisationen, und begleitet Projekte an der Schnittstelle von #Mensch #Tod #Internet.
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