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Weshalb jedes Bestattungsunternehmen eine Webseite haben sollte

16. April 2009

Meine Freundinnen haben ein Bestattungsinstitut. Vor einigen Monaten bin ich beim Internet-Surfen auf das Plagiat ihrer Internetpräsenz gestoßen. Nein, es war keine identische Nutzung einer preiswerten Branchenlösung, sondern der komplette Klau von Design und Inhalten. Ein kurzer Hinweis, ein kurzes Schreiben mit Androhung von… – so schnell habe ich noch nie eine Internetseite verschwinden sehen.

 

Dieses Erlebnis hat mich angeregt, etwas intensiver nach den Webseiten von Bestattungsinstituten zu schauen. Meiner Zusammenschau liegt keine wissenschaftliche Arbeit zugrunde, sondern eine Recherche auf der Internetpräsenz des Bundesverbandes Deutscher Bestatter e.V. (BDB). Hier sind eine Vielzahl von Bestattungsunternehmen alphabetisch nach Orten aufgelistet.

Ich habe mir sechs Buchstaben vorgenommen und die Adressen der Bestatter stichprobenartig ausgewertet. Mein Ergebnis:

  1. Zahlreiche Bestattungsinstitute haben keine eigene Internetpräsenz angegeben. Einige der Institute sind nicht einmal über E-Mail erreichbar.
  2. Im Bereich des Internet-Marketing sind Bestattungsunternehmen eher zurückhaltend.
  3. Die Seiten haben oft den Charakter einer Visitenkarte im Web. Die Möglichkeiten der Kundenbindung werden wenig genutzt.
  4. Bei den Webseiten überwiegen die statischen Seiten. Es werden nur vereinzelt interaktive Formen angeboten.

Die eigene Webseite wird die Anzeige in der Nähe der Todesanzeigen in den Printmedien in absehbarer Zeit nicht ablösen. Doch selbst traditionell arbeitende Bestattungsunternehmen brauchen ein Standbein in der Internetwelt. Unsere Gesellschaft wandelt sich und das Internet wird neben Fernsehen und Zeitungen immer mehr zum Leitmedium.

Die Entwicklung eines Internetauftrittes braucht Zeit und Engagement. Die Listung in den Suchmaschinen und die Eintragung in relevanten Katalogen erledigen sich nicht von selbst und nicht über Nacht. Bestattungsunternehmen brauchen jetzt den Einstieg in das neue Medium, um die dortigen Anforderungen kennen zu lernen und sich im Internet gezielt bewegen zu können.

Das Schlagwort der „Generation Internet“ gibt einen Ausblick auf die zukünftigen Entwicklungen. Gemeint sind damit die jungen Menschen, die seit den 1980er Jahren geboren wurden und mit den digitalen Medien aufgewachsen sind. Die Informationsquelle dieser Generation ist das Internet, nicht die Tageszeitung und nicht die Gelben Seiten. Tatsächlich nutzen immer mehr, auch ältere Menschen, das Web für Informationen und soziale Kontakte. Hie und da ist schon von der neuen Angehörigengeneration und ihren Bedürfnissen die Rede. Es wird nicht mehr lange dauern, dann wird die Elterngeneration der Digital Natives oder die jungen Leute selbst, die Bestattung eines Elternteils in Auftrag geben.

Sie nehmen weniger Rücksichten auf tradierte Geschäftsbeziehungen. Sie suchen ein empfohlenes Bestattungsinstitut im Internet. Gut, wenn es dort gefunden wird und einen einladenden Auftritt hat. Sie filtern die Informationen, die sie im Internet vorfinden nach ihren Kriterien. Mitbewerber sind nicht mehr nur die regionalen Bestattungsinstitute, sondern Anbieter, die überregional mit Pauschal- und Billigangeboten werben.

Ein Bestatter erzählte mir diese Geschichte: Telefonisch ist der Beratungstermin bereits vereinbart. In der Familie hat das Unternehmen vor einigen Jahren bereits zwei Sterbefälle betreut und jetzt ist wieder jemand gestorben. Kurz darauf der erneute Anruf. Das Gespräch wird abgesagt. Einer der Söhne hat im Internet geschaut und einen sehr preiswerten Bestatter mit Pauschalangebot gefunden. C’est la vie.

Bestattungsunternehmen müssen sich frühzeitig auf diese Entwicklung einstellen. Ein wichtiges Thema ist dabei die Existenz, die Gestaltung und die Auffindbarkeit der Internetpräsenz.

Über die Autorin

Über die Autorin

Birgit Aurelia Janetzky bietet Fortbildungen für Berufsgruppen im Bereich Sterben, Bestattung und Trauer. Sie hält Vorträge und schreibt Artikel für verschiedene Fachzeitschriften. Als Social-Media-Managerin und Expertin für die Themen digitaler Nachlass und Trauer im Internet berät sie Unternehmen und Organisationen, und begleitet Projekte an der Schnittstelle von #Mensch #Tod #Internet.
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