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Die Bestatterwebseite – das Für und Wider

23. April 2009

Vor allem in kleineren Betrieben stellt sich oft die Frage, ob eine Webseite überhaupt notwendig ist.

Da die allgemeinen Hinweise aus Teil 1 (Weshalb jedes Bestattungsunternehmen eine Webseite haben sollte) nicht jeden überzeugen können, hier die gängigen Argumente gegen eine Webseite und meine Antwort darauf:

1. „Ich werde im Telefonbuch gefunden

Aus einem Zeitungsartikel zur neuen Auflage des Telefonbuches: „Früher galt es mal als Ausweis männlicher Stärke, mit bloßen Händen mit einem Ratsch ein Telefonbuch zu zerreißen.“ (Badische Zeitung 2.4.09) Heute ist das kein Kunststück mehr, denn das Telefonbuch ist rekordverdächtig dünn geworden. Es wird weniger genutzt. Weder um sich finden zu lassen, noch um zu finden. Wenn jemand gestorben ist, muss die Telefonnummer des Bestatters schnell auffindbar sein. Immer mehr Menschen greifen nicht mehr zum Telefonbuch, sondern geben Bestattung, Ort und Name in die Suchmaschine ein. Hier sollten Sie gefunden werden.

2. „Bei uns kommen die Kunden auf Empfehlung

Auch bei einer Empfehlung schauen die Angehörigen auf die Webseite und verschaffen sich einen ersten Eindruck von dem Bestattungsinstitut.

3. „Bestattungen machen bei uns nur einen kleinen Teil des Geschäftes aus. Der Aufwand lohnt sich nicht.

Auf einer der beim BDB verlinkten Webseiten einer Schreinerei (die vermutlich auch Bestattungen anbietet) findet nicht einmal die integrierte Suchmaschine einen Eintrag unter dem Stichwort „Bestattung“ oder „Beerdigung“. Man versetze sich in den Angehörigen, der die Bestatteradresse sucht…

4. „Wir arbeiten regional, was sollen wir weltweit auffindbar sein.

Im Internet gibt es einen Trend zur Regionalisierung. Die lokalen Zeitungen schaffen Internetseiten mit klarem regionalem Bezug, die von Leserinnen und Lesern mit gestaltet werden. Branchenspezifische Linklisten helfen Menschen in ihrer Region den passenden Dienstleistungsanbieter zu finden. Diese Chance sollte nicht ungenutzt bleiben.

5. „Das kostet zuviel, im Vergleich zu dem Nutzen, den es mir bringt.

Der Nutzen lässt sich tatsächlich nicht beziffern, doch die Kosten sind inzwischen überschaubar. Der Preis hängt vom Umfang, der verwendeten Technik und der Professionalität der Gestaltung ab. Wer sich nicht selbst nicht in die Programmierung einer Homepage einarbeiten möchte, für den stehen verschiedene Lösungen zur Verfügung, von der Branchen-Homepage eines Internetproviders für 9,90 € im Monat bis hin zur individuell programmierten mit zahlreichen Zusatzfunktionen versehenen Premium-Seite. Dazwischen sind kostenfreie CMS (Content-Management-System) angesiedelt. Diese Software ist ein Redaktionssystem, das einmal eingerichtet ohne Programmierkenntnisse gut selbst gepflegt werden kann. Angeboten werden auch individuelle Lösungen zum Pauschalpreis.

Grundsätzlich ist es wichtig, im Vorfeld zu entscheiden, wer die laufende Pflege der Seite übernehmen soll. Denn auch in Ihrem Schaufenster wischen sie regelmäßig den Staub weg. In Abwandlung eines bekannten Sprichwortes empfehle ich: „Bestatter, bleib bei deinen Särgen“ und überlasse die Technik und das Design den Web-Fachleuten. Als an Webseiten interessierter Theologin verweise ich bei technischen oder das Marketing betreffenden Fragen auf die ausgewiesenen Profis.

Hier nur einige allgemeine Tipps:

– Konzeption aus einem Guss –
Die Gestaltung der Webseite sollte sich an der Corporate Identity (CI) des Unternehmens ausrichten. Damit ist der aufeinander abgestimmte Einsatz Erscheinungsbild, Kommunikation und Verhalten nach innen und außen gemeint. Sollten Sie für Ihr Unternehmen noch keine CI entwickelt haben, lohnt sich die Investition in ein Gesamtkonzept, das Webpräsenz, gedruckte Informationen und Geschäftspapiere umfasst.

– zeitnahe Umsetzung –
Machen Sie es sofort. Planen Sie Zeitfenster in Ihre Wochenstruktur ein. Die Struktur und das Aussehen erarbeitet Ihr Webdesigner nach einer ausführlichen Beratung. Die Inhalte Ihres Auftrittes müssen von Ihnen kommen. Dafür brauchen Sie Zeit, Gespräche und Muße. Halten Sie vereinbarte Termine mit ihrem Webdesigner ein. Ich kenne keine andere Branche, in der der geplante Tagesablauf derartig kurzfristig über den Haufen geworden wird. Am Morgen gehen Sie ins Büro mit einem Tag ohne Termine. Zwei Stunden später sind die nächsten drei Tage vergeben, weil drei Sterbefälle zu bearbeiten sind.
Beim Veröffentlichen einer Webseite ist es wichtig auf die Nutzerfreundlichkeit zu achten. Das gilt gleichermaßen für beauftragte oder selbst erstellte Seiten. Als Nutzerin von Webseiten lege ich am meisten Wert auf:

– vollständige Veröffentlichung –
Wenn das Projekt „Webpräsenz“ nicht zeitnah umgesetzt wurde, finden Sie unter dem Domainnamen den nicht sehr hilfreichen Hinweis: „Hier entsteht in Kürze eine neue Internetpräsenz.“ Wenn bereits eine Domain existiert, stellen Sie zumindest eine Seite mit Ihren Kontaktdaten ein, bis die ausgearbeitete Seite folgt.
Regelmäßig wähle ich einen Unterpunkt in der Navigation und stoße auf die Sätze wie „An dieser Seite wird noch gearbeitet“ oder „… in Kürze hier“. Stattdessen könnten Sie die Navigation ergänzen, wenn die Inhalte wirklich zur Verfügung stehen.

– aussagekräftige Seitentitel –
Wenn man bei den Seitentiteln auf „Home“ und „unbenanntes Dokument“ trifft, ist dies ein Hinweis darauf, dass es sich um eine nicht professionell erstellte Seite handelt. Die Seitentitel sind ein Bestandteil der Suchmaschinenoptimierung. Sie werden im Reiter angezeigt und sind hilfreich beim Wiederfinden der Webseite in den Favoriten/ Lesezeichen.

– übersichtliche Navigation –
Studien über Nutzerverhalten besagen, dass Besucher die Webseite verlassen, wenn sie nicht mit maximal 3 Klicks die gewünschte Information finden. Eine durchdachte Navigation strukturiert die Seiten. Auf jeder Unterseite sollte die Navigation ebenfalls vorhanden sein, denn der Umweg über den „Zurück“-Button bedeutet einen Zeitverlust.

– Lesefreundlichkeit –
Die Schriftgröße darf nicht zu klein sein. Wer sich mühen muss, hört auf zu lesen. Ebenso ist bei der farblichen Gestaltung auf Kontrast zu achten. Die bevorzugten Grau-, Braun-, Lila- und Schwarztöne der Bestatter dürfen etwas aufgelockert werden.

Diese Liste ist mit Sicherheit zu ergänzen. Machen Sie es den Suchenden so einfach wie möglich. Wer nicht findet was angekündigt ist, zieht weiter. Wenn Menschen die gesuchten Informationen finden, ist dies der erste Schritt Kontakt aufzunehmen.

Über die Autorin

Über die Autorin

Birgit Aurelia Janetzky bietet Fortbildungen für Berufsgruppen im Bereich Sterben, Bestattung und Trauer. Sie hält Vorträge und schreibt Artikel für verschiedene Fachzeitschriften. Als Social-Media-Managerin und Expertin für die Themen digitaler Nachlass und Trauer im Internet berät sie Unternehmen und Organisationen, und begleitet Projekte an der Schnittstelle von #Mensch #Tod #Internet.
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