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Die fünf Einladungen – Buchempfehlung

22. März 2018

Es ist das mittelalterliche Memento mori in moderner Form. „Sei dir der Sterblichkeit bewusst“ und Du findest zu rechtem Leben. Bei Ostaseski ist die Einladung freundlicher formuliert: Was Du vom Tod lernen kannst, um erfüllt zu leben.

Was wir vom Tod lernen können, um erfüllt zu leben

Es gibt Leute, die machen einen weiten Bogen um alle Bücher, die irgendetwas mit dem Tod zu tun haben. Vielleicht haben sie schon so viel Schmerzhaftes erlebt, dass sie nicht ertragen können, immer wieder daran erinnert zu werden. Andere leben in einer durchgetakteten Geschäftswelt, in der der Tod nur ein Sandkorn im Getriebe ist.

In Hospizkreisen ist der Name Frank Ostaseski schon länger ein Begriff. Er gilt als ein bedeutender Vertreter der Hospizarbeit. Ich übernehme hier bewusst nicht die Superlative „der bedeutendste Vertreter“ aus der Verlagsankündigung. Denn es gibt noch andere, die die Hospizbewegung geprägt haben und prägen. Vermutlich werden zunächst Menschen aus der Palliativ- und Hospizarbeit zu diesem Buch greifen. Wer mit schwerkranken und sterbenden Menschen zu tun hat, weiß oft intuitiv, dass er selbst eine Haltung zur eigenen Arbeit entwickeln muss, die ihm durch die Abgründe des Schmerzhaften und der eigenen Ohnmacht hindurchträgt.

Um genau diese innere Haltung geht es Ostaseski. In diesem Buch erzählt er viele Geschichten von Sterbenden, die er begleitet hat, von Ärzten und Pflegenden, die seine Fortbildungen besuchten und über sich selbst und seinen eigenen Weg durch seine dunkelsten Stunden hindurch. Wenn Fachkräfte nur noch die Symptome sehen, die sie mit ihrem Fachwissen behandeln, fehlt etwas Entscheidendes das kranke oder sterbende Menschen brauchen, nämlich dass sie als Person gesehen werden. Patienten werden versachlicht und nicht als Person wahrgenommen. Als einen Hauptfaktor für dieses Verhalten benennt Osteaseski die Angst, sich mit eigenem Unbehagen und Ohnmachtsgefühlen zu konfrontieren. Obwohl er immer wieder Beispiele für ein solches Verhalten nennt, ist doch spürbar, dass er die Menschen nicht verurteilt. Er deckt die dahinterstehende Dynamik auf und beschreibt, wie Mitgefühl und Liebe zu sich selbst und andere, aus der Angst herausführen. Das ganze Buch ist eine einzige Einladung dazu.

Die fünf Einladungen kreisen um die innere Haltung, mit der Menschen zu einem erfüllteren Leben finden können. Einladungen kann man annehmen oder ablehnen. Der Gastgeber Tod spricht sie aus, ohne Erwartung, ohne Anhaftung. Im Einzelnen heißen sie:

1. Warte nicht.
2. Heiße alles willkommen, wehre nichts ab.
3. Gib dich ganz in die Erfahrung.
4. Finde mitten im Chaos einen Ort der Ruhe.
5. Kultiviere den Geist des Nicht-Wissens.

Mir ging es beim Lesen so, dass ich mich immer wieder selbst beschrieben fand. Es ist alles so menschlich, nichts scheint ihm fremd zu sein. Ostaseskis Art zu Schreiben zielt auf das Herz und die Gefühle, nicht auf den Verstand. Wer mit seinen intellektuellen Fähigkeiten an das Buch herangeht und sich Wissen oder Handlungsanleitungen erhofft, der wird vieles als Wiederholung empfinden. Wer jedoch sein Herzen für die Geschichten und die daraus abgeleiteten Einsichten öffnet, für den werden die Wiederholungen zu einer vertiefenden Meditation, die zu mehr Achtsamkeit und Mitgefühl führt.

Die fünf Einladungen können durch jede Art von Übergang oder Krise navigieren. Es muss nicht der physische Tod sein. Die eigene Endlichkeit ist ein ständiger Begleiter im Leben. Achtsamkeit und Mitgefühl helfen, einen entspannten und bereichernden Umgang damit zu finden.

Der Tod wartet nicht am Ende eines langen Weges auf uns. Er ist immer da, im Innersten jedes einzelnen Augenblicks. Er ist der heimliche Lehrer, versteckt, aber dennoch für alle sichtbar. Er hilft uns zu entdecken, was am wichtigsten ist im Leben. Und das Gute daran ist: wir brauchen nicht bis ans Ende unserer Tage zu warten, um die Weisheit zu finden, die der Tod uns zu bieten hat.

Frank Ostaseski

Wer das Buch geschrieben hat

Frank Ostaseski, buddhistischer Lehrer und internationaler Referent, war 1987 Mitbegründer des ersten Zen-Hospizes in den USA. Damit begann sein Weg, der ihn heute zur führenden Stimme der Achtsamkeits-Bewegung im Kontext von Sterben, Tod und Trauer werden ließ. Das 2004 von ihm gegründete Metta Institute hat sich zur Aufgabe gemacht, mit innovativen Fortbildungsprogrammen die Prinzipien Achtsamkeit und Mitgefühl in der Pflege zu verankern.

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Die fünf Einladungen: Was wir vom Tod lernen können, um erfüllt zu leben

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Über die Autorin

Über die Autorin

Birgit Aurelia Janetzky bietet Fortbildungen für Berufsgruppen im Bereich Sterben, Bestattung und Trauer. Sie hält Vorträge und schreibt Artikel für verschiedene Fachzeitschriften. Als Social-Media-Managerin und Expertin für die Themen digitaler Nachlass und Trauer im Internet berät sie Unternehmen und Organisationen, und begleitet Projekte an der Schnittstelle von #Mensch #Tod #Internet.
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