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Digital Natives und Digital Naives

5. März 2009

Digital Natives. Im letzen Beitrag habe ich unkommentiert diese neue Wortschöpfung benutzt. Wieder so ein Begriff, der aus den USA kommt. Bislang gibt es nur im englischsprachigen Wikipedia einen Artikel, in der deutschen Version noch eine Fehlanzeige.

 

Gemeint sind die jungen Leute, die mit dem Internet und Mobiltelefonen aufgewachsen sind, geboren in den 80er Jahren. Es wird gerade viel über sie gesprochen, weil sie beginnen auf den Arbeitsmarkt zu drängen und mit ihrer Sicht der Dinge so manche herkömmliche Sichtweise in Frage stellen. Ihre Eigenschaften werden auf dem  Blog mobile-zeitgeist (Anm. 9.2.2014 Link nicht mehr erreichbar) so beschrieben:

Digital Natives können Infos einfach schneller verarbeiten, sie besitzen eine geringere Konzentrationsspanne, jedoch eine verbesserte Augen-Hand Koordination. Weiters tendieren Natives dazu eine sehr emotionale Bindung zu ihrer Technologie wie Handys zu entwickeln, sie sind immer vernetzt, copyright ist ihnen ein Fremdwort und Information wird sowieso nur mehr digital konsumiert.

Wer nicht Digital Native ist, ist in der sich neu entwickelnden Nomenklatur Digital Immigrant. Ein Immigrant ist ein Einwanderer, gemeint hier: in die digitale Welt. Das sind all die Älteren, Alten und ganz Alten, die noch ein Leben ohne Internet und Mobiltelefon kennen. Im Grunde sind es die Digital Naives, die digital Naiven. Oder anders eingedeutscht: Es gibt die Digital Eingeborenen und die Digital Einfältigen.

Ich werde nie diese Geschwindigkeiten erreichen, eine SMS in die Tastatur meines Handys zu hacken. Nie werde ich ein Profil bei StudiVZ oder MySpace mein Eigen nennen. Ich erspare meinen Freunden eine öffentliche Beschreibung unserer gemeinsamen Aktivitäten. Ein Buch lese ich noch von vorne bis hinten durch und bekommen Augenschmerzen beim Scannen von Webseiten. Ich bekenne: ich gehöre zu den Digital Naives.

Auf der Cebit sagte einer der interviewten Newcomer: „Es gibt Plätze, an denen ich im Web lebe.“ Für mich eine neue Sichtweise. Ich bin immer davon ausgegangen, dass ich das Web nutze. Leben tue ich in Freiburg. Weiter meinte er, die Digital Natives würden die technischen Geräte als Verlängerungen ihres Körpers betrachten. Ich bleibe lieber digital naiv. Meine Körper ist das, worin mein Blut zirkuliert. Ich fühle mich nicht amputiert, wenn ich mal keinen Internetzugang habe.

Gleichzeitig ist es sinnvoll, sich mit der Generation Internet auseinanderzusetzen, denn:

Auch im Job machen Digital Natives vieles anders als ihre Eltern: Sie ziehen zwischen Arbeit und Privatleben keine scharfe Linie, arbeiten vernetzt und nach Fähigkeiten, statt isoliert und nach zugewiesenen Funktionen. Sie wählen ihren Arbeitsplatz nach ihrer Vision, statt nach dem Status einer Firma. Und sie wollen flache Hierarchien.

Hört sich gut an. Wenn es der Generation Internet gelingt, die Arbeitswelt in diesem Sinne zu verändern, werde ich für dieses Land einen Einwanderungsantrag stellen.

Über die Autorin

Über die Autorin

Birgit Aurelia Janetzky bietet Fortbildungen für Berufsgruppen im Bereich Sterben, Bestattung und Trauer. Sie hält Vorträge und schreibt Artikel für verschiedene Fachzeitschriften. Als Social-Media-Managerin und Expertin für die Themen digitaler Nachlass und Trauer im Internet berät sie Unternehmen und Organisationen, und begleitet Projekte an der Schnittstelle von #Mensch #Tod #Internet.
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