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Friedwald: Waldbewusstsein und Bestattungskultur – Buchempfehlung

8. Januar 2012

„Was verbinden Menschen mit dem Wald?“ Diese Frage ist einer der Zugänge, mit denen sich Stefanie Rüter dem Phänomen Waldbestattungen nähert. Seit etwas zehn Jahren hat diese Form der Bestattung auch Einzug in deutsche Wälder gehalten. Die Grundlage der empirischen Untersuchung zu dieser neuen Form der Bestattung, sind qualitative Interviews und das Gästebuch auf der Homepage der Friedwald GmbH.

Zunächst irritierend ist der Titel des Buches. Geht es um das Angebot der Friedwald GmbH oder um die Entwicklung von Bestattungsformen hin zu vermehrten „Baumwurzelbestattungen“, die auch von anderen Unternehmen wie der Ruheforst GmbH oder kommunalen Betreibern vor Orten angeboten werden. Bestattungen im Wurzelbereich von Bäumen, dazu braucht es heute keinen Bestattungswald mehr. Viele städtische Friedhöfe legen sogenannte Baumfelder an, die rege nachgefragt werden. In der Einleitung wird dann deutlich: Es geht um ein Gesamtbild über die Baumwurzelbestattung am Beispiel des Friedwaldes. Deshalb nimmt auch das Unternehmen Friedwald GmbH, mit seinem Konzept und seiner Vermarktungsstrategie einen breiten Raum ein.

Im Zentrum des Interesses stehen die Menschen, die sich für diese Bestattungsart entscheiden. Die sechs interviewten Menschen bilden unterschiedliche Lebenssituationen ab, was Alter, Geschlecht, Familienstand und konfessionelle Bindung angeht. Die zentrale Quellengrundlage, das Gästebuch auf der Webseite des Unternehmens, steht inzwischen leider nicht mehr zur Verfügung.

Die Autorin legt Zahlenmaterial vor. Sie holt so die Motive für eine Baumbestattung aus dem Bereich der Spekulationen heraus. Ebenfalls ist die kulturwissenschaftliche Perspektive wohltuend, weil sie sich anders als beispielsweise eine theologische Perspektive der moralischen Bewertung enthält. Die öffentlichen Diskussionen um die Waldbestattungen sind ja in der Regel konfessionell geprägt und werden hier mehr oder weniger subtil als neuheidnischen Praktiken und Naturreligion bezeichnet.

Ganz anders das Ergebnis dieser Untersuchung. Eine wichtige Erkenntnis ist: Die Entscheidung für eine Baumwurzelbestattung wird in der Regel zu Lebzeiten getroffen. Voraus gehen intensive Gespräche im Familienkreis und umfassende Informationen durch Waldführungen und Informationsgespräche.

Die Frage nach den Vorstellungen, Bildern, Wünschen und Motiven, die bei der Entscheidung für eine Baumbestattung eine Rolle spielen ergibt: Es geht also um die Vorsorge für den eigenen Tod. Im Baum konkretisiert sich der Ewigkeitsgedanke. Der Trost, den der Begräbnisort Wald spendet ist ein anderer als der des klassischen Friedhofs.

Die Kundengewinnung der Friedwald GmbH diskutiert die Autorin durchaus kritisch. „Was verbinden Menschen mit dem Wald?“ Die Naturbegriffe der Werbemaßnahmen sprechen die Emotionen und die positiven Assoziationen mit der Natur an. Damit greift das Unternehmen Bedürfnisse ihrer Kunden auf, sie erfindet sie nicht.

Alles in allem stellt die Veröffentlichung aufgrund ihrer kulturwissenschaftlichen Perspektive einen wichtigen Beitrag zur Diskussion um die Baumbestattungen dar.

Stefanie Rüter
Friedwald
Waldbewusstsein und Bestattungskultur
Münster 2011,
176 Seiten, broschiert, mit zahlreichen, meist farbigen Abbildungen, 24,90 €,
ISBN 978-3-8309-2356-5

versandkostenfrei bestellen: Friedwald – Waldbewusstsein und Bestattungskultur

Über die Autorin

Über die Autorin

Birgit Aurelia Janetzky bietet Fortbildungen für Berufsgruppen im Bereich Sterben, Bestattung und Trauer. Sie hält Vorträge und schreibt Artikel für verschiedene Fachzeitschriften. Als Social-Media-Managerin und Expertin für die Themen digitaler Nachlass und Trauer im Internet berät sie Unternehmen und Organisationen, und begleitet Projekte an der Schnittstelle von #Mensch #Tod #Internet.
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