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Radio Galaxy, ein Wettbewerb, ein Bestatter

26. Januar 2011

Ein kleiner regionaler Sender. Radio Galaxy. Ein bayernweiter Jugend-Radiosender. Empfangbar in Bayern über Kabel und DAB sowie in 12 UKW-Standorten. „Das krasseste Radiospiel Deutschlands.“

 

Nach dem Vorbild eines österreichischen Senders, der 2009 eine ähnliche Aktion durchführte, kann man hier seine eigene Beerdigung gewinnen. Was man dafür tun muss? Letzte Worte liefern!

Die Reaktionen auf den Wettbewerb sind geteilt. In der Hauptsache wird die Promotion-Aktion unter dem Gesichtspunkt Marketing diskutiert, wie ein Beitrag auf der Seite „werben und verkaufen“ zeigt. Zitiert wird der Moderator des Senders: „Man wolle lediglich den Jüngeren das Tabu-Thema ‚Sterben‘ näher bringen.“ Das ist wohl eher ein Argument, um die Wogen zu glätten. Denn davon steht so gar nichts in der Ausschreibung, die im Stil einer Todesanzeige aufgemacht ist. Ein schwarzer Rand, ein schwarzes Kreuz, ein Spruch „Das gab’s noch nie“.

„Gewinne Deine eigene Beerdigung!“

Öffentlichkeitswirksam ist der Wettbewerb allemal. Schließlich lockt eine Sterbegeldversicherung im Wert von 3000 €. Den meisten wäre der Betrag bar auf die Hand sicher lieber, doch da jeder irgendwann stirbt, haben zumindest die Angehörigen etwas von dem Gewinn. Die Bestattungsrechnung wird billiger.

„…sei dabei bevor es zu spät ist!!!!“

Ein wenig Angst vor dem Tod motiviert die jugendlichen Hörerinnen und Hörer hoffentlich. Vier Ausrufezeichen und drei Fragezeichen müssten reichen.

„Was wären Deine letzten Worte???“

Gestreut wird die PR-Aktion in verschiedenen Medien, in der Sendung, auf Facebook und in lokalen Anzeigenblättern. Ein Statement gab eine Hörerin direkt auf der Facebook-Seite ab. Sie findet die Aktion „cool“. Ihr sagt „Bis gleich!“ zu einer Verwandten, die sie nicht leiden kann.

Vermutlich werden viele Reaktionen in diesem Stil in der Redaktion eintreffen. Gefordert ist nämlich die „coolste Antwort“. Auf diese Weise das Tabu-Thema ‚Sterben‘ anzugehen, kommt mir vor, als wolle man Enttabuisierung betreiben indem man die Jugendlichen auffordert, möglichst viele Krimis anzuschauen. Da stirbt ja auch immer jemand.

Ob wirklich die coolste Antwort gewinnt, ist nicht gesagt. In den Teilnahmebedinungen heißt es: „Unter allen Einsendungen entscheidet das Los unter Gewährleistung des Zufallsprinzips.“ Also keine Jury, die die Beiträge inhaltlich unter die Lupe nimmt. Ziemlich verwirrend und marketingtechnisch ein NoGo.

So, und nun der Blick auf das Bestattungsunternehmen Erich Kraus jun. in Aschaffenburg, das der Kooperationspartner von Radio Galaxy ist. Auch für das Bestattungsinstitut ist der Wettbewerb eine große, öffentlichkeitswirksame Nummer. Hier kann man nur hoffen, dass der Schuss nicht nach hinten losgeht. Denn sterben tun in der Mehrzahl die Alten, die nicht zu den Hörern des bayernweiten Jugend-Radiosenders gehören. Vom diesem Bestatter werden sie jetzt in der Zeitung lesen, mit allen bissigen und kritischen Kommentaren. Ob das einen neuen Kunden bringt? Im Vorfeld wäre eine Klärung der Zielgruppe sinnvoll gewesen. „Seriös und zuverlässig“ als Marketingspruch (schon an sich nicht besonders originell) ist war für die Älteren. „Cool und krass“ müsste unter der Anzeige stehen, um das Unternehmen für die Jungen interessant zu machen.

Die Bestattungsbranche kann von der Aktion lernen und aus den Reaktionen und Diskussionen ihre Schlüsse ziehen. Radio Galaxy wird ein paar neue jugendliche Hörerinnen und Hörer gewinnen. Spannend wäre zu erfahren, wer letztlich die 3000 € Bestattungswert beiträgt.

(Beitragsbild: Fotolia.com Сергей Чирков)

Über die Autorin

Über die Autorin

Birgit Aurelia Janetzky bietet Fortbildungen für Berufsgruppen im Bereich Sterben, Bestattung und Trauer. Sie hält Vorträge und schreibt Artikel für verschiedene Fachzeitschriften. Als Social-Media-Managerin und Expertin für die Themen digitaler Nachlass und Trauer im Internet berät sie Unternehmen und Organisationen, und begleitet Projekte an der Schnittstelle von #Mensch #Tod #Internet.
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