Fachberatung Trauerfeier

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Till we meet again

15. Februar 2010

Ungewöhnliche Lebensläufe führen zu ungewöhnlichen Beerdigungen. Beerdigt wird ein Mann,  Mitglied eines Motorradclubs.

 

Über achtzig Jahre alt ist er geworden, als junger Mann war er Soldat und kämpfte in Nordafrika. Er selbst ist nie Motorrad gefahren, doch die Mitglieder haben ihn in ihre Familie aufgenommen. Eine eindrucksvolle Erscheinung war er, lange weiße Haare, Lederklamotten, indianisch anmutendes Gesicht, das Emblem des Clubs bedeckte als Tattoo seinen ganzen Rücken. Er hat den Jüngeren, die knapp bei Kasse waren, manchmal „den Tank voll gemacht.“ Ich durfte in der Vorbereitung für die Trauerrede ein paar Videos von den Treffen des Motorradclubs anschauen. Rauhe Sitten, kann ich nur sagen.

Entstanden ist eine Mischung aus traditionellem Begräbnis auf einem mittelhessischen Dorffriedhof und einem Rockertreffen. An die dreihundert Mitglieder des Clubs in voller Montur aus ganz Europa kommen zur Beerdigung. Es ist Winter, wegen der klirrenden Kälte stehen nur wenige Motorräder vor dem Friedhof, die meisten Trauergäste steigen aus vollbesetzten Autos aus. Einige Teile der Rede wiederhole ich auch auf Englisch, denn die Trauergäste aus Polen, aus Dänemark und Belgien wollen auch mit einbezogen sein.

Der Sarg wird durch ein Spalier von Fackeln hindurch zum Grab getragen, begleitet von „Stairways to heaven“ von Led Zeppelin. Die Träger sind die Männer des eigenen Chapters. Sie zeigen eine raue Berührtheit, knappe von Herzen kommende Worte. „Till we meet again Brother – Ride free with our foreever chapter, my hand, my heart, till the end.“ –  Bis wir uns wiedersehen, Bruder. Fahre von nun an mit den Brüdern, die sich in der Ewigkeit wieder gefunden haben. Dort sitzen sie immer noch auf ihren Maschinen. Jenseitshoffnung, Jenseitserwartung, Weiterleben nach dem Tod, diese Gruppe hat ihre eigenen Bilder dafür gefunden.

Über die Autorin

Über die Autorin

Birgit Aurelia Janetzky bietet Fortbildungen für Berufsgruppen im Bereich Sterben, Bestattung und Trauer. Sie hält Vorträge und schreibt Artikel für verschiedene Fachzeitschriften. Als Social-Media-Managerin und Expertin für die Themen digitaler Nachlass und Trauer im Internet berät sie Unternehmen und Organisationen, und begleitet Projekte an der Schnittstelle von #Mensch #Tod #Internet.
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