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Urnengräber quadratisch und praktisch gut

22. Februar 2009

Die Nachfrage nach pflegeleichten Grabstätten für Urnen steigt. Auf manchen Friedhöfen schießen die Urnenwände wie Pilze aus dem Boden. Es ist Zeit für eine Übersicht über diese Beisetzungsart.

1.  Für manche Leute praktisch, aber nicht unbedingt gut

Die anonyme Urnenbeisetzung: Praktisch ist es für die Sozialämter, die damit die Kosten gering halten wollen. Die Urnen werden meist frühmorgens von Friedhofsmitarbeitern auf einem dafür vorgesehenen Grabfeld beigesetzt. Das Grab erhält keine Kennzeichnung. Nur die Friedhofsverwaltung weiß, wer wo liegt. Nicht gut für die Menschen, die den/die Verstorbene kannten. Denn sie haben keinen Ort, zu dem sie gehen können.

2. Nur bedingt praktisch, aber schon besser

Die halbanonyme Beisetzung: Die Angehörigen können bei der Beisetzung dabei sein, die Urne wird auf einem Grabfeld beigesetzt. Der exakte Beisetzungsort wird nicht gekennzeichnet. Dafür gibt es auf dem Grabfeld einen zentralen Grabstein, an dem der Name des/der Verstorbenen angebracht werden kann. Das Feld wird als Rasenfläche oder mit Bepflanzung von Friedhofsgärtnern gepflegt. Diese Beisetzungsart ist für die Mitarbeiter nur bedingt praktisch, denn die Trauernden legen ihre Blumen, Laternen und Engelchen selten an dem dafür vorgesehenen zentralen Grabmal ab, sondern an dem erinnerten Platz der Urne auf dem Feld. Morgens geht ein Friedhofsmitarbeiter die Mitbringsel einsammeln und bringt sie an ihren Bestimmungsort. Dort entsteht ein buntes Durcheinander an Stilrichtungen, Farben und Verwelkungszustand der Blumen. In regelmäßigen Abständen werden alle Blumen abgeräumt. Das Spiel beginnt von vorne.

3. Vor allem praktisch

Pflegeleichtes Urnenreihengrab. Die Urne wird auf dem nächsten freien Platz eines Grabfeldes beigesetzt, das Grab erhält eine Platte mit den Daten des/der Verstorbenen. Gut für die Angehörigen, denn sie können zu einem unverwechselbaren Grab gehen. Praktisch, weil es fast keiner Pflege bedarf. Der Rasen kann mit dem Rasenmäher sauber gehalten werden. Immer noch nicht gut für die Friedhofsgärtnereien (wie Variante 1 und 2), denn hier gibt es keine Aufträge zur Grabpflege.

4. Quadratisch und praktisch, wenn die Familie am Ort wohnt

Es gibt Urnengräber mit 2, 3 oder 4 Plätzen. Wenn vorher nicht klar festgelegt ist, wer für die freien Plätze bestimmt ist, lösen diese Gräber in Familien oft Diskussionen aus, wer hinein darf. Keiner weiß ja vorher die Reihenfolge, in der gestorben wird. Wenn die Schwiegertochter sich mit der Schwiegermutter schon im Leben gut verstanden hat gibt es selten ein Problem. Wenn nicht, dann …

5. Praktisch und quadratisch

Die Urnenwände oder Kolumbarien. Praktisch für Friedhöfe, die nicht mehr in der Fläche wachsen können. Sie wachsen in die Höhe. Praktisch, wenn ein späterer Umzug geplant ist. Nicht gut für Menschen, die schon zu Lebzeiten nicht gerne im Hochhaus gewohnt haben und sich mit der Erde verbinden wollen.

6. Für manche Leute unpraktisch, aber sehr beliebt

Die Baumbestattung. Seit die Bewegung anfang dieses Jahrtausends aus der Schweiz nach Deutschland kam, trifft man bei Spaziergängen in schönen Wäldern immer häufiger auf einen Begräbnisplatz. Viele Menschen spricht die Schlichtheit dieser Beisetzungsart an. Zurück zur Natur. Schon zu Lebzeiten kann man sich, der eigenen Familie oder dem Freundeskreis einen Platz am Baum reservieren. Auch „Bäumchen wechsle dich“ ist möglich, sollten die Lebenden noch einmal umziehen. Gut: die Ruhefrist ist deutlich länger als auf dem städtischen Friedhof. Unpraktisch für manche Trauernden: die Friedhöfe im Wald sind nicht immer gut erreichbar, wenn man selbst nicht mehr gut zu Fuß ist.

7. Gut für Individualisten und Rebellen, nicht ganz so praktisch

Es gibt ihn immer noch, den kleine Grenzverkehr in den grenznahen Gebieten zu Frankreich, der Schweiz und den Niederlanden. Denn in diesen Ländern gibt es keinen Friedhofszwang. Wer angibt, in einem dieser Länder bestatten zu wollen, bekommt die Urne dort ausgehändigt. Der Reimport nach Deutschland ohne Beisetzung auf einem Friedhof ist eine Ordnungswidrigkeit und vom Gesetzgeber so nicht vorgesehen, doch er findet in manchen Fällen statt. Die Asche im Garten, die Urne im Bücherregal, die Asche im Rhein.

8. Nicht quadratisch, aber gut für Seebären

Die Seebestattung. Eine vor allem von Nordlichtern gewählte Beisetzungsart in der Nord- oder Ostsee. Die Asche des/der Verstorbenen wird in einer sich schnell auflösenden Urne dem Meer übergeben. Die Angehörigen können dabei anwesend sein und wissen wenn sie am Strand stehen: dort draußen irgendwo ist er oder sie begraben.

Dann gibt es noch die Weltraumbestattungen, Ballonbestattungen, Riffbestattungen, Diamantenpressungen. Die finden hauptsächlich in den Medien statt. Die tatsächliche Anzahl bleibt weit hinter der suggerierten Häufigkeit zurück.

Über die Autorin

Über die Autorin

Birgit Aurelia Janetzky bietet Fortbildungen für Berufsgruppen im Bereich Sterben, Bestattung und Trauer. Sie hält Vorträge und schreibt Artikel für verschiedene Fachzeitschriften. Als Social-Media-Managerin und Expertin für die Themen digitaler Nachlass und Trauer im Internet berät sie Unternehmen und Organisationen, und begleitet Projekte an der Schnittstelle von #Mensch #Tod #Internet.
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