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Vernetzte Gräber – App und QR-Code auf dem Friedhof

30. November 2014

Historische Grabmale werden für einen größeren Kreis von Menschen erschlossen. Lebensläufe von Verstorbenen stehen auf dem Friedhof per Smartphone zur Verfügung. Die Digitalisierung ist nun endgültig auf dem Friedhof angekommen, von der App für kulturhistorisch bemerkenswerte Grabstätten bis hin zu QR-Codes auf Gräbern. Die Meinungen gehen auseinander. Was für den einen moderner Schnickschnack ist, ist für die andere eine neue Chancen für die Friedhofskultur.

 

Zum ersten Mal habe ich QR-Codes auf meinem Smartphone eingelesen, als ich die Hackeschen Höfe in Berlin besuchte. Ich war fasziniert und bin von Code zu Code gegangen, habe den gegenwärtigen Eindruck direkt mit der Vergangenheit vergleichen können. Audio- und Videomaterial waren so gut aufbereitet, dass ich dafür gerne den Reiseführer in der Tasche gelassen habe.

Auf heise-online war vor kurzem zu lesen: „Stuttgart prüft QR-Codes an Promi-Gräbern.“ Vom „Trend zur Grabstätte 2.0“ ist die Rede. Nach den Steinmetzen, die den Code in den Grabstein meißeln und privaten Unternehmen, die etwas dezenter ein Schild mit Code auf dem Grab anbringen, werden jetzt die Kommunen zum Anbieter. Doch vorher sind einige grundlegende Fragen zu klären:

  • Wer zeichnet sich für das Projekt verantwortlich?
  • Wer stellt sicher, dass die Informationen, auf die der Code verlinkt dauerhaft erreichbar sind?
  • Wer entscheidet, welches Grab ein Promi-Grab ist?
  • Können Bürgerinnen und Bürger Vorschläge machen oder beantragen, dass ein bestimmtes Grab „promi“ wird?
  • Können die Angehörigen von Nichtpromis auch einen QR-Code samt Webspace vom Friedhofsträger zur Verlinkung kaufen?

Über 120 Kommentare auf heise-online belegen, dass die Idee Resonanz hervorruft. Allerdings reagieren die meisten ablehnend, belustigt oder bösartig. Da ist noch einige Überzeugungsarbeit zu leisten.

Einen anderen Ansatz hat die Stiftung Historische Kirchhöfe und Friedhöfe in Berlin-Brandenburg gewählt. Sie hat einen audio-virtuellen Rundgang für rund 1.000 kulturhistorisch bedeutenden Grabmalen auf 37 national bedeutsamen historischen Friedhöfen für unterwegs und zuhause. Vor kurzem ist die bemerkenswerte Webseite gestartet www.wo-sie-ruhen.de

Das Projekt wird mit Mitteln des Bundes für Kultur und Medien gefördert. Besitzer eines Smartphones können sich eine WebApp herunterladen, die mit einem Klick auf die Seite führt. Jetzt nur noch den Friedhof eingeben und die Informationen sind verfügbar. Wer allerdings mehr über das Leben der hier begrabenen Person erfahren will, wird vielleicht etwas enttäuscht sein. Die Informationen beziehen sich weniger auf Lebensläufe, sondern auf die Grabmale, die sich durch herausragende architektonische oder kunsthistorische Bedeutung sowie außergewöhnliche Restaurierungsarbeiten hervorheben.

Gibt es auf dem Friedhof Ihrer Stadt bereits QR-Codes? Wie ist Ihre Meinung dazu?
Werden Sie sich die App herunterladen?

(Bild: Grabmalentwurf gesehen auf der Landesgartenschau in Gießen 2014)

Über die Autorin

Über die Autorin

Birgit Aurelia Janetzky bietet Fortbildungen für Berufsgruppen im Bereich Sterben, Bestattung und Trauer. Sie hält Vorträge und schreibt Artikel für verschiedene Fachzeitschriften. Als Social-Media-Managerin und Expertin für die Themen digitaler Nachlass und Trauer im Internet berät sie Unternehmen und Organisationen, und begleitet Projekte an der Schnittstelle von #Mensch #Tod #Internet.
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