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Verstorbene mit Facebook Timeline bekommen Rabatt

14. März 2012

Die Timeline ist die neueste Erfindung auf Facebook. Bis zum 30. März werden alle Profile automatisch auf das neue Layout und die neuen Funktionen umgestellt. Wer möchte, kann aber bereits jetzt sein Profil auf die Timeline umstellen. Es gibt kein zurück. Timeline als Standarddarstellung lässt sich nicht mehr deaktivieren und ersetzt die alte Facebook-Wall. Das Facebook-Profil wird mit der Timeline zur persönlichen Zeitleiste. Die schöne neue Facebookwelt wird auch die Trauerreden revolutionieren.

 

Die Zeitrechnung fängt nicht erst beim Eintritt in Facebook an. Jeder Nutzer kann alle Daten seines Lebens ergänzen.  Facebook geht davon aus, dass die Nutzer Informationen über ihr Leben einfügen, bevor sie sich bei Facebook angemeldet haben. Auf dem eigenen Profil kann sich in Zukunft jeder mit einer Art interaktivem Lebenslauf präsentieren. Sieht schön aus. Privatsphäre spielt ja sowieso keine Rolle mehr. Besonders wenn er oder sie gestorben ist, interessiert das den Profilinhaber und die Profilinhaberin so ganz und gar nicht mehr.

Da ist es doch zeitgemäß, dass ich als Trauerrednerin einen Rabatt einräume für Verstorbene, die brav ihre Facebook-Timeline ausgefüllt haben. Alle Daten, alle Interessen, die passende Musik, das soziale Umfeld – alles bekomme ich auf dem Profil quasi frei Haus geliefert. Ich brauche keine Daten und Vorlieben mehr bei den Angehörigen erfragen. Welch eine Zeitersparnis das wäre. Da könnte ich ja ganz anders kalkulieren. Ein Alleinstellungsmerkmal als Trauerrednerin hätte ich damit. In den letzten Jahren steigt ja die Zahl der Mitbewerber auf dem Markt. Da muss man sich schon was einfallen lassen.

Das Facebook-Profil wird zur Geschichte des Lebens. Das ganze digitale Leben ist von nun an bereits praktisch zusammengefasst und übersichtlich auf einer Seite zu sehen. Je länger das Leben, desto mehr scrollen. Wann geboren – das Datum ist nur einen Mausklick entfernt. Wann geheiratet? Die Hochzeitsbilder sind sofort verfügbar. Ich sehe die Urlaubsziele und die Hobbys. Was will ich mehr.

Einen Filter muss ich einbauen, der das Konsumverhalten des Verstorbenen ausblendet. Facebook stellt externen Entwicklern die Schnittstelle „Open Graph“ zur Verfügung. Wenn der Verstorben Social Apps genutzt hat, wird jeder gelesene Artikel, jede angesehene TV-Folge in die Chronik übertragen. Niemand muss mehr einen Share-Button drücken, um etwas zu verbreiten – das erledigt Facebook automatisch, wenn jemand diese Apps nutzt. Diese Detailinformationen brauche ich nicht für meine Rede, also weg damit. Sonst ist der Vorteil der von Facebook aufbereiteten Lebensdaten dahin und der Rabatt für die Angehörigen futsch. Vielleicht nenne ich mich in Zukunft nicht mehr Trauerrednerin, sondern Beerdigungs-Facebook-Profilerin.

(Beitragsbild: Fotolia.com Jürgen Fälchle)

Über die Autorin

Über die Autorin

Birgit Aurelia Janetzky bietet Fortbildungen für Berufsgruppen im Bereich Sterben, Bestattung und Trauer. Sie hält Vorträge und schreibt Artikel für verschiedene Fachzeitschriften. Als Social-Media-Managerin und Expertin für die Themen digitaler Nachlass und Trauer im Internet berät sie Unternehmen und Organisationen, und begleitet Projekte an der Schnittstelle von #Mensch #Tod #Internet.
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